Barrierefreie PDF
PDF steht für »Portable Document Format« und PDF-Dokumente gehören heute zum festen Bestandteil eines plattformunabhängigen Informationsaustauschs in Bürokommunikation und Internetalltag.
Ursprünglich ging es bei der Entwicklung des PDF-Formats darum zu gewährleisten, dass in einem fortlaufenden Bearbeitungsprozess und auf verschiedenen Plattformen ein Dokument immer identisch dargestellt wird. Das Layout, die Schriftarten, Grafiken und Farben sollen bei allen Anwendern und allen Verarbeitungsschritten exakt so wiedergegeben und ausgedruckt werden, wie sie vom Anbieter und Autor vorgegeben wurden.
Barrierefreies PDF
Barrierefreies PDF erfordert genau das Gegenteil: Jeder Nutzer soll die Darstellung von Inhalten an seine individuellen Bedürfnisse und unterschiedliche Ausgabegeräte anpassen können.
- Blinde Menschen benötigen korrekt strukturierten Text, um mit Hilfe einer Braillezeile zu lesen oder um sich vom Screenreader vorlesen zu lassen.
- Sehschwache, insbesondere auch ältere Menschen, benötigen Skalierbarkeit der Schrift, um die Schriftgröße an ihre Sehleistung anzupassen.
- Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit, z. B. einer Rot-Grün-Sehschwäche, brauchen starke Kontraste und Kontrolle über die Farbe von Schrift und Hintergrund.
- Menschen mit motorischen Störungen, die eine Maus nicht oder nur eingeschränkt bedienen können, benötigen eine gegliederte Dokumentstruktur, um mit der Tastatur oder anderen Hilfsmitteln zu navigieren.
- Menschen mit kognitiven Behinderungen, Lernschwächen oder auch Menschen mit fremdsprachigem Hintergrund benötigen einfach strukturierte Texte, idealerweise in Leichter Sprache, zumindest aber mit klarer Navigationsstruktur.
- Für Gehörlose, die primär Gebärdensprache verwenden, ist die Schriftsprache wie eine Fremdsprache. Unterstützende, assistive Techniken helfen und textliche Alternativen für multimediale Inhalte sind unabdingbar.
- Nutzer von internetfähigen Handys oder PDAs (Personal Digital Assistants) benötigen flexiblen Textfluss und angepasste Grafiken, um PDF-Dokumente auf Kleinbildschirmen sinnvoll betrachten zu können.
Barrierefreie Inhalte richten sich somit, entgegen der landläufigen Meinung, nicht ausschließlich an Menschen mit Behinderungen. Barrierefreiheit ermöglicht oder optimiert auch den Zugriff für verschiedene Ausgabegeräte und breite Nutzergruppen.
Gesetzliche Grundlagen
Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), sowie die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) aus dem Jahr 2002 sind Grundlage für Internetauftritte sowie alle öffentlich zugänglichen Intranetangebote von Behörden der Bundesverwaltung. Für Internetangebote der Bundesländer gelten eigene, zum Teil erweiterte Bestimmungen und immer mehr Verbände, sowie private und kommerzielle Internet-Angebote orientieren sich an den Kriterien der BITV.
»Ziel des Gesetzes ist es, die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung zu beseitigen und zu verhindern sowie die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen«
Behinderten Gleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen (BGG-NRW, 2004)
Zentrale Aspekte
Die in der BGG und BITV formulierten Ziele beziehen sich primär auf Menschen mit Behinderungen und sind der zentrale Aspekt der Barrierefreiheit. Darüber hinaus berücksichtigt Barrierefreiheit aber auch gesellschaftlichen Wandel und technologischen Fortschritt.
Die Angebote im Internet, und damit auch die dort zur Verfügung gestellten PDF-Dokumente, werden von immer breiteren Bevölkerungsgruppen wahrgenommen und auf immer differenzierteren Geräten ausgegeben: Die Generation 55-Plus nimmt selbstverständlich und aktiv an der Informationsgesellschaft teil. Ein breites Angebot an Dienstleistungen über Handys, PDAs oder Navigationsgeräte entwickelt sich rasant. Somit sind seniorengerechtes e-Government, mobile Informations- und Freizeitangebote oder die Sprachausgabe von PDF-Dokumenten lediglich verschiedene Aspekte eines barrierefreien Zugangs zu Information.
»Für eine solidarische Gesellschaft in der alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, ihr Recht auf gesellschaftliche Teilhabe so selbstbestimmt wie möglich wahrnehmen können.«
Aktion Mensch
Tagged PDF
Grundlage für eine Anpassung des Inhalts ist das sogenannte Tagged PDF. Dies ermöglicht zum Beispiel individuell veränderbare Text- und Hintergrundfarben, eine vom ursprünglichen Dokument unabhängige starke Vergrößerung des Schriftgrades oder Ansicht von Spalten und Blocksatz als automatisch am Bildschirm vorbeilaufender Fließtext.
Diese Möglichkeiten bestehen prinzipiell schon seit der Einführung von Adobe Acrobat 5 im Jahre 2001 und werden über eine zusätzliche Strukturebene im Hintergrund des PDF-Dokuments erreicht. Die Schreibweise für diese Tag-Struktur ähnelt in vielen Punkten (X)HTML. Der wesentliche Unterschied ist, dass HTML mit einem beliebigen Texteditor bearbeitet werden kann, während zur Bearbeitung der PDF-Tags eine Anwendung wie Adobe Acrobat Professional erforderlich ist.
Die Tag-Struktur gewährleistet, dass der Inhalt des PDF-Dokuments für assistive Technologien wie Screenreader zugänglich ist. Anwenderinnen und Anwender können ein getaggtes PDF mittels Lesesoftware vorlesen lassen, sich gezielt zu einzelnen Kapiteln oder Textabschnitten bewegen, Hyperlinks folgen oder Erläuterungen zu Abbildungen, Abkürzungen oder Akronymen erhalten.
Barrierefrei, barrierearm oder Null-Fehler Dokument?
Die integrierte Ausgabehilfeprüfung in Adobe Acrobat Professional stellt ein zentrales Werkzeug zur Erstellung und Überarbeitung barrierefreier Dokumente dar. Die Prüfung liefert Informationen über fehlerhafte oder fehlende Strukturen, umfasst aber leider nicht alle Aspekte für ein barrierefreies Dokument. So wird in der Regel eine zusätzliche Bearbeitung und Qualitätssicherung notwendig.
Ebenso lassen sich barrierefreie Dokumente nicht gegen einen öffentlich definierten Standard validieren, sodass Sachverstand und zusätzliche Tests seitens des Bearbeiters gefragt sind. Und in bestimmten Fällen kann nur von barrierearmen PDF-Dokumenten gesprochen werden, wenn die vollständige Umsetzung aller Kriterien für ein barrierefreies Dokument technisch oder inhaltlich nicht realisierbar ist.
Barrierefreiheit im geammten Arbeitsprozess
Die Erstellung eines barrierefreien PDF-Dokuments in Adobe Acrobat wird entscheidend davon beeinflusst, wie das Dokument zuvor in DTP-Programmen wie zum Beispiel Adobe InDesign oder Büroanwendungen wie Microsoft Office oder OpenOffice vorbereitet wurde.
Der Aufwand und die Kosten für die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente ist umso geringer, je früher man sich im Entstehungsprozess des Dokuments Gedanken um die Barrierefreiheit macht.
Der eingedeutschte Begriff Assistive Technologie wird rund um das Thema Barrierefreiheit häufig als Sammelbegriff für unterstützende Computertechnologien wie Screenreader, Spracheingaben, Bildschirmtastatur und ähnliche verwendet.
Wir unterstützen Sie bei allen Schritten zum barrierefreien PDF: Schulungen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Office-Produkten, um optimale und breit angelegte Voraussetzungen für barrierefreie Dokumente zu erhalten, sowie die Schulung und Beratung der DTP- und Internet-Redaktionen für die abschließende Bearbeitung und Qualitätssicherung barrierefreier PDF-Dokumente. Weiterhin übernehmen wir die Erstellung barrierefreier PDF-Dateien auf Basis vorhandener Office- oder PDF-Dokumente.
Schulungen
Erstellung barrierefreie PDF-Dokumente
- Barrierefreies Tagged PDF mit Adobe Acrobat
- Dokumente für barrierefreies PDF mit Microsoft Office (Word)
- Dokumente für barrierefreies PDF mit OpenOffice (Writer)
- Dokumente für barrierefreies PDF mit Adobe InDesign
Unser Angebot umfasst Schulung und Beratung in den Themengebieten PDF-Erstellung, DTP und Office. Selbstverständlich bieten wir Ihnen auch individuell zugeschnittene Seminare und Kombikurse.
:: Kombikurse
Erstellung
- Erstellung von barrierefreien PDF aus vorhandene Print-/ PDF(X)-Dokumenten
- Erstellung von barrierefreien PDF aus vorhandenen Office-Dokumenten
Bearbeitung
- Überprüfung und Optimierung barrierearmen PDF-Dokumente
- Beratung und Support bei der Erstellung von Dokument- und Formatvorlagen
- Tools & Programmierung
...und mehr
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